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Februar 2009

"VIMU" - Das virtuelle Museum

Seit dem Sommer 2008 ist ein Internetportal online, das in vielerlei Hinsicht bemerkenswert ist: „VIMU - das virtuelle Museum" verbindet einen thematisch wichtigen Ansatz mit einem innovativen, bestens reflektierten Web-Auftritt. [1] Inhaltlich geht es um die Geschichte und Kultur des deutsch-dänischen Grenzraumes, genauer: Schleswig-Holsteins und Süddänemarks zwischen 1830 und 2000 – ein nach wie vor höchst sensibles Feld voller Vorurteile und Schuldzuweisungen. Es ist den
Herausgebern hoch anzurechnen, dass sie sich dieses Themenkomplexes in grenzüberschreitender Kooperation angenommen haben: Wissenschaftliche Einrichtungen aus Schleswig und Odense haben den fachlichen Teil erarbeitet, während aus Sonderborg und Kiel die technische Kompetenz beigetragen wurde. Äußerlich zeigt sich dies schon an der Möglichkeit, jederzeit zwischen der deutschen und der dänischen Version von VIMU zu wechseln – man muss nur auf die kleine Flagge am rechten Bildrand klicken; eine Vorgehensweise, die für völlige Gleichberechtigung bürgt und bereits im Projekt Deuframat [2] praktiziert wird.

Das Webportal ist zunächst thematisch strukturiert: von der Startseite aus stehen sechs „Dimensionen" (Grenze, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Meer) zur Auswahl, welche zu ausgewählten Aspekten des deutsch-dänischen Mit- und Gegeneinander weiterleiten. Dahinter verbergen sich insgesamt 36 Themen mit rund 300 Kapiteln, die ausweislich des „Guide" wiederum 1.790 Texte, 2.237 Bilder, 180
Multimediaanwendungen, 80 Filme und 39 Audiodateien beinhalten. [3] Zudem besteht die Möglichkeit, zwischen sechs Zielgruppen zu wählen („entdecken" für die „Standard-Nutzer", „reisen" für Touristen, „lernen" für Schülerinnen und Schüler der 5.-10. Klassen, „forschen" für ältere Jahrgangsstufen, Journalisten und Wissenschaftler, „unterrichten" für Lehrkräfte und „spielen" für Grundschulkinder), für die jeweils eigene Angebote gemacht werden.

Diese große Materialfülle stellt ebenso wie die Kombination der „Dimensionen" und der zielgruppenorientierten Angebote an die Navigation besondere Anforderungen. Grundgedanke der Herausgeber war es, hier tatsächlich ein Museum mit ausgewählten Themen darzustellen, bei dem man quasi von Vitrine zu Vitrine gehen und manche Dinge genauer betrachten kann, andere wieder nur flüchtig oder überhaupt nicht. Jedes Kapitel, jedes Medium kann für sich stehen, ein Weg ist nicht vorgegeben – wir haben es also mit einem delinearen Hypertext-Netzwerk zu tun. [4] Die Vorteile liegen auf der Hand: Benutzer oder Benutzerin gehen einen an den jeweiligen Interessen ausgerichteten eigenen Weg durch die virtuelle Ausstellung. Um dabei nicht die Orientierung zu verlieren, bieten die Herausgeber gleich mehrere Navigationshilfen an: Der jeweilige Standort wird in einer Kopfzeile genau beschrieben, am Seitenende sind alle Kapitel des gerade besuchten Themas aufgelistet, am rechten Rand stehen die Materialien, man kann ein Favoritenverzeichnis anlegen, „Ausstellungsstücke" in einen „Kulturkorb" legen und über die immer sichtbare Leiste mit den „Dimensionen" in einen ganz anderen Bereich springen. Besonders innovativ sind aber zwei weitere Orientierungshilfen: der „Fährtenfinder", welcher eine Warnung ausgibt, wenn man sich zu weit von ursprünglichen Thema entfernt, und die „Spinne", welche die Seitenstruktur in graphischer Form jeweils neu aufbaut.

Die zielgruppenorientierten Angebote „entdecken", und „forschen" sind von hoher Qualität; sie machen den Konstruktcharakter von Geschichte transparent, sind stets multiperspektivisch, sachangemessen und überaus anschaulich. Hier ist die deutsch-dänische Kooperation von besonderem Vorteil, besonders für deutsche Nutzer, die über das nördliche Nachbarland wohl häufig viel zu wenig wissen. Die verwendeten Medien sind aufwendig, werden sauber nachgewiesen, lassen sich exportieren und erlauben häufig interaktive Eingaben. Abbildungen können vergrößert werden, Audiodateien wie z. B. Dialektbeispiele sind über Karten abrufbar, bei den eigens angefertigten Filmausschnitten weisen

Insgesamt stellt VIMU eine wirkliche Bereicherung dar: vor allem die Betonung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit ist wichtig und in lobenswerter Weise umgesetzt. Die Materialien sind anspruchsvoll und anschaulich, sie werden mit viel Liebe präsentiert und teilweise in geradezu köstlicher Weise animiert. Es bereitet viel Freude, in der von den Herausgebern vorgesehen Weise durch das virtuelle Museum zu schlendern und etwas über die saterfriesische Sprache, den Dreijährigen Krieg oder die in Nachttöpfen betriebene Propaganda zu erfahren.

Anmerkungen:
[1] Uwe Danker / Astrid Schwabe, Normative fachdidaktische Anforderungen
an virtuelle Geschichtspräsentationen. Möglichkeiten und Grenzen der
Umsetzung am Projektbeispiel eines „Virtuellen Museums". In: Dies.
(Hrsg.), Das Internet als Raum historischen Lernens. Geschichtsdidaktik
und Neue Medien (Forum Historisches Lernen). Schwalbach/Ts. 2008,S.
61-90; Dies., Historisches Lernen im Internet. Zur normativen Aufgabe
der Geschichtsdidaktik. In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 58
(2007) S. 4-19.
[2] <http://www.deuframat.de> (09.01.2008).
[3] Der „Guide" zum Virtuellen Museum ist als pdf auf der Startseite
verfügbar.
[4] Jakob Krameritsch/Wolfgang Schmale: Hypertext und Hypertexten im
schulischen Geschichtsunterricht und im Geschichtsstudium, In:
Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 58 (2007) S. 20-35.

URL zur Zitation dieses Beitrages
<http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/type=rezwww&id=155>