August 2009
Wattenmeer nicht in Watte packen
WESTERHEVER. „Wir sind Naturerbe“ – in großen bunten Lettern ist es auf dem Wahrzeichen des Nordens zu lesen: am Leuchtturm von Westerhever, vor der Halbinsel Eiderstedt, flattert eine Fahne. Der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer feiert weithin sichtbar eines der wichtigsten Ereignisse seiner Geschichte.
Chance für den Tourismus
„Es ist eine große Chance für den Tourismus! Weltnaturerbe und Tourismus – das ist eine einzigartige Kombination“, so Mareike Moll, die neue Geschäftsführerin der Tourismus-Zentrale Eiderstedt in Garding. Und Constanze Höfinghoff, Geschäftsführerin der Nordsee-Tourismus-Service Gesellschaft (NTS) in Husum ergänzt begeistert: „Wir sind stolz über die Auszeichnung und freuen uns sehr – sowohl als Bewohner dieser Region als auch als Gastgeber dieses einmaligen Naturerlebnisraumes.“ Ende Juni hat die Unesco das niederländische und das deutsche Wattenmeer in die Liste der Weltnaturerbestätten aufgenommen. Es ist die erste deutsche Naturlandschaft, die diese Prädikat erhalten hat.
Tourismus und Natur, Ökonomie und Ökologie – lange Zeiten hindurch schien das schwer zusammenzupassen. Mit harten Maßnahmen wurde auf beiden Seiten gefochten. Auch vor der gemeinsamen Bewerbung hat es massive Auseinandersetzungen und Abstimmungen bis zur letzten Formulierung gegeben. Einen Schaden für Küstenschutz und Hafenentwicklung, für den tidefreien Fährverkehr und natürlich für die Entwicklung des Tourismus, also auch Einschränkungen für Touristen, sollte es am Ende für das künftige Welterbe ebenso wenig geben wie Gefährdungen für die unvergleichliche Naturlandschaft mit ihrer Fauna und Flora. Die Regelungen des seit Dezember 1999 geltenden Nationalpark-Gesetzes sollten nicht durch darüber hinausgehende Einschränkungen verschärft werden. Das war und ist eine zwischen allen regionalen Partnern der Wattenmeerküste ausgehandelte Vereinbarung. Somit ist die touristische Nutzung nicht eingeschränkt. Im Gegenteil. Alle haben gewonnen. „Als Unesco-Weltnaturerbe spielen wir in einer Liga mit dem Grand Canyon oder dem Great Barrier Reef. Damit erreichen wir auch international eine hohe Aufmerksamkeit. Wir werden ausländische Touristen herbeilocken, Neugierige aus aller Welt,“ so Constanze Höfinghoff vom NTS. Neue Konzepte sind bereits in Planung.
Nationalparks und hochrangige Schutzgebiete sind im gesamten Küstenraum ausgewiesen worden. Dennoch gibt es viele Möglichkeiten, Tiere zu beobachten und die Natur zu durchwandern und zu genießen. Aber maßvoll und dosiert. Mit qualifizierten Wattführern können Urlauber das ganze Jahr hindurch vor nahezu allen Küsten bei Ebbe auf dem trocken gefallenen Meeresboden laufen, vom Festland zu den Inseln und Halligen, auch zwischen den Inseln und einfach vor der Küste.
Geschenk der Natur
„Das Weltnaturerbe Wattenmeer ist nun ein ausgezeichneter Schatz im touristischen Angebot unseres Landes. In erster Linie muss es darum gehen, diesen zu beschützen und damit in seinem Wert zu erhalten. Dieses schließt eine touristische Nutzung nicht aus, verlangt von ihr aber ein höchstes Maß an Sensibilität“, sagt Armin Dellnitz, Geschäftsführer der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein, die der Hotellerie und den Tourismus-Organisationen im Bereich der Wattenmeerlandschaft empfiehlt, behutsam mit dem „naturgegebenen Geschenk“ umzugehen, es aber dennoch gut und nachhaltig zu vermarkten.
Erschienen in der Allgemeinen Hotel- und Gastronomie-Zeitung, Ausgabe 2009/28, Seite 25
Internetquelle
